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17.11.2014
Internationaler Zahnersatz aus technischer Sicht – die DZW im Gespräch mit ZTM Uwe Landsberger und ZTM Sabine Knörl, Technische Leitung der IMEX DENTAL® in Deutschland und International

In der aktuellen Presse wird das Thema Auslandszahnersatz gerade intensiv diskutiert. Guido Braun, Vizepräsident des Verbands deutscher Zahntechnikerinnungen, geht davon aus, dass bereits 2008 ca. 20% aller Zahnersatzfälle mit Neuanfertigungen im Ausland versorgt wurden – somit jede fünfte Versorgung mit Auslandszahnersatz stattfindet. Dies gibt uns Anlass bei der technischen Leitung eines führenden Unternehmens für Zahnersatz aus dem Ausland einmal kritisch nachzufragen, wie man auf „der anderen Seite der Welt“ die Situation des deutschen Dentalmarkts beurteilt. Herr Uwe Landsberger (UL), ZTM und Betriebsleiter Technik sowie Frau Sabine Knörl (SK), ZTM und Leiterin eines internationalen Labors der Imex Dental und Technik, mit Stammsitz in Essen und Produktionsbetrieben in Essen und Shenzhen, stehen Rede und Antwort:

Frau Knörl, seit 6 Jahren arbeiten Sie als deutsche Zahntechnikmeisterin in Asien. Hatten Sie sich China so vorgestellt? Wie fühlen Sie sich nach den vielen Jahren in China?
SK: Ich habe diesen Schritt nach China gemacht, da ich den Wunsch nach Veränderung hatte. Ich habe alle Stationen vom Techniker über den Meister bis zur Selbstständigkeit durchlaufen und für mich persönlich eine neue Perspektive auf die Zahntechnik gesucht, die ein bisschen Schwung bringt. China hat mit speziellen Materialien, z.B. NEM, teilweise viel längere und intensivere Erfahrung als deutsche Produktionen und steht daher für eine höhere Fertigungsgüte. Deshalb dieser Sprung ins kalte Wasser, um herauszufinden, wie geht Zahntechnik z.B. in Asien und was kann ich dazu beitragen, dass unsere gute, deutsche Zahntechnik außerhalb Deutschlands zur Anwendung kommt. Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden, diesen Weg zu gehen.

Die Gegenwehr deutscher Zahntechniker und deutscher Zahnärzte gegen Auslandszahnersatz scheint gebrochen. Angeblich sollen bereits mindestens 20% der Arbeiten aus dem Ausland kommen. Herr Landsberger, wie beurteilen Sie die Situation?
UL: Der deutsche Dentalmarkt ist durch besonders hohe Qualitätsansprüche gekennzeichnet. Es hat einige Zeit gedauert bis diese Qualität in Auslandslaboren erreicht werden konnte. Seit dies der Fall ist, wächst die Zahl der Aufträge aus Deutschland stetig.

Wie ordnen Sie die Qualitätsansprüche deutscher Zahnärzte ein?
SK: Der deutsche Zahnarzt ist ein top-ausgebildeter Facharzt, der historisch bedingt an sich und die durch ihn verwendete Prothetik enorme Ansprüche stellt. Bei Passgenauigkeit und Ästhetik werden keine Kompromisse zugelassen. Durch den zunehmenden Zeitdruck in der Praxis verlangt der deutsche Zahnarzt ein fehlerfreies Produkt, das er ohne einzuschleifen und nacharbeiten zu müssen, unmittelbar einsetzen kann. Dabei muss sich äußerlich der Zahnersatz unauffällig in die Mundsituation einpassen. Der Preis spielt für die meisten Zahnärzte dabei zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Die Anforderungen deutscher Zahnärzte an Zahnersatz sind im internationalen Vergleich enorm hoch. Hier in Shenzhen wird an Dutzenden von Standorten Zahnersatz für die ganze Welt produziert – aus Amerika, Europa aber auch Arabien und natürlich Asien kommen die Aufträge. Wenn man die Ansprüche der unterschiedlichen Länder miteinander vergleicht, darf man den deutschen Patienten gratulieren. Nirgends auf der Welt wird so auf Qualität geachtet wie in Deutschland. Neben Passung und Ästhetik ist Termintreue das dritte wichtige Qualitätskriterium.

Können Auslandsproduktionen diesen Ansprüchen gerecht werden? Oder anders gefragt: „Qualitätszahnersatz aus China“, kann es das überhaupt geben? 
UL: In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich die Fertigungs- und Prozessqualität internationaler Produktion um ein Vielfaches verbessert. Heute gibt es einzelne Produktgruppen, die werden m.E. in China besser hergestellt als in fast allen deutschen Laboren, die wir kennen. Kombiarbeiten und Brücken von IMEX® beispielsweise sind vom Preis-/Leistungsangebot unschlagbar. Voraussetzungen dafür sind allerdings durchgängige Prozesse, gleiche Materialien und ausführliche Qualitätskontrollen in Deutschland wie in China. Nur wenn die Mitarbeiter im Ausland über Jahre hinweg auf die gleichbleibende Qualität hintrainiert werden, kann man das erreichen.

Wie erreicht IMEX DENTAL® diese Qualität?
UL: Bei IMEX® haben wir einige Dinge gemacht, die uns vom Wettbewerb unterscheiden: 1) IMEX® hat sich gesellschaftsrechtlich an den Auslandsmanufakturen in China beteiligt. Es wird in unserer Produktion, mit unseren Mitarbeitern und unserer Leitung nach unseren Qualitätskriterien ausschließlich für uns und unsere Kunden gefertigt. Andere Auslandsanbieter sind da reine Händler. Die wissen weder genau, in welcher Produktion, noch von wem der Zahnersatz gefertigt wird. Diese Anonymisierung gibt es bei uns nicht. 2) Bei IMEX® zeichnet von der Auftragsannahme in Deutschland über die Fertigung in Shenzhen bis hin zur Endkontrolle in Deutschland derselbe zuständige ZTM in Essen für die Arbeit verantwortlich. Für jeden Kunden immer derselbe Mitarbeiter. Nur so lassen sich die Besonderheiten des Behandlers über die gesamte Fertigung berücksichtigen. 3) Seit fast 20 Jahren produzieren wir neben unserem Stammsitz in Essen auch im Ausland. Wir beschäftigen dort einen Stab von deutschen Mitarbeitern, zuständig für die verschiedenen Produktionsbereiche. Jedes Jahr stellen wir uns höheren Ansprüchen an Qualitätssicherung. Kundenbefragungen, TÜV-Zertifizierung in Essen UND in China, Materialgarantie und 5-Jahres-Garantie auf allen Zahnersatz, nicht nur auf festsitzenden Zahnersatz sind die Folge!

Wie sichern Sie diese Qualität für jedes einzelne Fertigungsstück?
UL: Jeder Kunde hat einen festen Ansprechpartner in der Auftragsannahme. Man kennt sich. Auch ist jedem Behandler ein fester Qualitätsbeauftragter zugeordnet. Wir nennen das CaseManager. Dieser prüft den Auftrag und die Vorarbeit des Behandlers und hält ggf. Rücksprache. Dann geht der Auftrag zu unserer deutschen Leitung, Frau Knörl, nach China. Auch hier findet eine Eingangsprüfung statt. Rückfragen werden per Skype unmittelbar und persönlich nach Essen gestellt. Die Produktion ist TÜV-überwacht. Die Materialien sind identisch, aus Deutschland importiert. Nach Fertigstellung und erneuter Kontrolle in China, findet die Arbeit ihren Weg nach Essen. Dort prüft unsere deutsche Produktion in Essen erneut und nur wenn die zuständigen CaseManager, alles ZTM, mit ihrem guten Namen die Qualität unterschreiben, geht nach ca. 8 Tagen die Arbeit zum Behandler. Sollte entgegen aller Erfahrung doch einmal etwas nicht funktionieren, können wir unmittelbar und sofort mit unserer Inlandsproduktion die Qualität sicherstellen. So können wir 5 Jahre Garantie geben und konnten schon über 30 Krankenkassen, u.a. die DAK, von unserer Qualität überzeugen.

Hat sich in den letzten Jahren etwas an der Arbeitsweise oder Zusammenarbeit geändert?
SK: Alles ist noch ausgeklügelter geworden. Trotz der Preisvorteile von bis zu 80% zu deutscher Fertigung sind Qualitätsunterschiede kaum noch oder gar nicht festzustellen. Die neuen Medien, Internet, Email, IT machen es möglich miteinander zu arbeiten als ob man auf der anderen Straßenseite sitzen würde. Die Logistik funktioniert fehlerfrei und die Anerkennung unserer Leistungen bei den Zahnärzten und Patienten hat um ein vielfaches zugenommen.

Wie würden Sie IMEX® beschreiben?
UL: Kulanz, Flexibilität und kurze Entscheidungswege zeichnen uns aus. Wir haben als einziges der größeren Auslandsanbieter an unserem Stammsitz in Essen auch ein großes deutsches Labor mit fast 100 Mitarbeitern. Dazu kommt unsere ausgeprägte Erfahrung in der Frästechnik bei Vollzirkon, die dazu führt, dass wir mit der iKrone® Marktführer im Vollzirkon in Deutschland sind. Außerdem sind wir nicht Händler von Auslandszahnersatz, sondern wir produzieren mit unseren eigenen Leuten in unseren eigenen Produktionsstätten in China. Dadurch stellen wir eine besonders gute Qualität her. Wir haben nämlich vollen Durchgriff auf die Ausbildung der Mitarbeiter, das Personal, die Materialien und, und, und.

Gibt es auch Schwächen der Auslandsproduktion?
SK: Wir würden uns wünschen, dass wir noch ein oder zwei Tage kürzere Durchlaufzeiten bei den Arbeiten hätten, das scheitert derzeit leider noch am Zoll. Dennoch sind wir dank unserer ausgeprägten Logistikerfahrung in der Lage in 8 Arbeitstagen in China zu produzieren – und das bei absoluter Termintreue.

Wie sehen Sie die Zukunft der internationalen Produktion? Verstehen sich Ihre Labore in Essen und China als Konkurrenten zueinander?
UL: Gar nicht. Wir ergänzen uns im Sinne unserer Kunden perfekt. Wir haben auch nie Auslandszahnersatz als Selbstzweck und als Allheilmittel gesehen. Vielmehr ist unser Ziel, unseren Kunden stets das beste Preis-/Leistungsangebot machen zu können. Dabei sollten bestmöglich verschiedene Optionen, nämlich deutscher Zahnersatz UND Auslandszahnersatz, dem Zahnarzt zur Verfügung stehen – beim selben Labor! Dadurch geben wir den Kunden alle Freiheiten und Möglichkeiten, ihre Patienten bestmöglich zu versorgen. Ein Beleg für diese Haltung ist die Investitionsanstrengung, die wir in den letzten Jahren am Essener Stammsitz in den Aufbau unserer Fräskapazitäten gesteckt haben. Als reines deutsches Produkt können wir die iKrone® als vollanatomische Zirkonkrone für nur 99€ inkl. MwSt. und Versand anbieten. Wir stellen mittlerweile weit über 1.000 iKronen® pro Monat in Essen her. Das können wir zu dem Preis mit der Qualität eben auch nicht in China!

Was stellen Sie denn in China her? Geben Sie uns doch bitte einmal ein typisches Preisbeispiel.
SK: Derzeit sind Kombis aus unserer internationalen Produktion unschlagbar in Preis/Leistung. Wir können – sogar im zeitlich verkürzten Durchlauf – z.B. eine Teleskopprothese mit 3 verblendeten Teleskopen bei einem Restzahnbestand von bis zu 3 Zähnen im günstigsten Fall für einen Preis von 787,15 € anbieten. Oder z.B. die dreigliedrige, keramisch vollverblendete Brücke zu einem Preis von 280,93 €. Das sind beides typische Versorgungen, die unsere Kunden gern und häufig über unsere Auslandsproduktion beziehen.

Wir danken für das Gespräch und sind gespannt, wie es weitergeht. Frau Knörl, planen Sie denn schon die Rückkehr nach Deutschland?
SK: Auch nach inzwischen 6 Jahren der betreuenden und ausbilderischen Tätigkeit hier in Shenzhen gibt es super viele positive Erfahrungen, aber auch immer noch die eine oder andere Herausforderung, die es mit Beharrlichkeit zu meistern gilt. Wir deutschen Zahntechniker und Zahntechnikermeister werden hier noch lange gebraucht.


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